Buddhismus und Zen

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Buddhismus

Der Buddhismus ist vom Wesen her die einzige Weltreligion, die keinen Gott kennt oder benennt, obwohl Buddha - wie auch Jesus und Mohammed - quasi als gottgleich angebetet wird. Dies ist jedoch ein Widerspruch zu seiner Philosophie, die man am besten als eine philosophische Psychologie der Selbsterkenntnis beschreiben kann. Buddha lehrte aufgrund eigener Erfahrung den Weg der Befreiung von irdischem Leid und vom Rad der Wiedergeburt zum erleuchteten Wesen, das mit sich und allem eins ist. Da dieser Weg mittlerweile auch im Westen sehr populär und in vielen Variationen verbreitet ist, darf er hier nicht fehlen.

Der historische Buddha wurde als Siddharta Gautama im 6. vorchristlichen Jahrhundert im Grenzgebiet des heutigen Indien und Nepal geboren. Er war der älteste Sohn eines Raja (Fürsten) einer kleinen Adelsrepublik und somit der streng behütete Nachfolger seines Vaters. Er wuchs im Luxus der Reichen seiner Zeit auf, war verheiratet und hatte einen Sohn. Bis dahin hatte er nie das alltägliche Leid außerhalb des Palastes kennengelernt.

Die Legende berichtet, daß er dies alles spontan aufgab, als er während einer Ausfahrt zum ersten Mal eine am Stock gehende Alte, einen dahinsiechenden Kranken, einen Toten und einen zufrieden strahlenden Wandermönch sah. Er entschloß sich, das Wesen des Leidens und der Vergänglichkeit zu ergründen und wählte den damals und heute noch sehr verbreiteten Weg der Askese. Er fastete, meditierte und kasteite sich und unterzog sich allen Disziplinen asketischer Zucht bis an den Rand totaler Erschöpfung. Nach sieben Jahren mußte er sich eingestehen, daß er noch genauso weit von seinem Ziel entfernt war wie am Anfang; er erkannte, daß extreme Askese ebensowenig zum Ziel führt wie ein ausschweifendes Leben. Zum Sterben bereit, beschloß er als letzten Versuch, sich unter einen Baum im heutigen Bodhgaya zu setzen und zu meditieren.
In dieser Nacht setzte ein Prozeß ein, der ihm sein ganzes bis dahin gelebtes Leben wie einen (Alp-)Traum erscheinen ließ, aus dem er jetzt erwachte. Er erfuhr das Unnennbare, das Unbeschreibliche, das nicht Faßbare, das so nah und doch so fern ist. Dies ist ein Bild, eine Metapher, die von allen Erwachten zu allen Zeiten ähnlich beschrieben wird: das Erwachen aus einem Traum zu dem, was wirklich ist, immer war und ewig sein wird. Dieser Zustand der “Erleuchtung” wird beschrieben als inspirierende Begeisterung, Ich-freies Glücksgefühl und eine von jeder Begrenzung freie Geistesruhe, die außerdem gleichmütig allem gegenüber ist, was einen selbst betrifft.

In den darauffolgenden Nächten erkannte der zum Buddha Erwachte die Gesetzmäßigkeit des Leidens und des Lebens, erfuhr die Freiheit vom Rad der Wiedergeburt und fand die “Vier edlen Wahrheiten”. Aus diesen Einsichten heraus formulierte er den sogenannten “achtfachen Pfad”, der als mittlerer Weg zwischen Askese und Lebensbejahung helfen soll, aus Leid, Gier, Haß und Unwissenheit zu befreien. Die acht zu übenden Tugenden, die er beschreibt, sind:

Rechtes Verstehen (oder richtiges “Sehen”)
Rechter Zweck (oder rechtes Streben)
Rechtes Verhalten
Rechter Lebensunterhalt
Rechte Anstrengung
Rechte Art der Achtsamkeit (oder Gedankenkontrolle)
Rechte Konzentration (auf das Ziel)
Meditation.

Buddha hat in vielen Reden ausgeführt, was er darunter versteht, und viele Hinweise zur Selbstbeobachtung gegeben. Vierzig Jahre lang wanderte er danach lehrend durch das nordöstliche Indien und half Menschen aller Schichten, den ihnen eigenen Weg zu finden. Er starb 80 jährig mit den Worten: “Seid euch selber Zuflucht, eine andere Zuflucht gibt es nicht! Strebet ohne Unterlaß!”

Im Gegensatz zum Christentum und zum Islam hat es niemals buddhistische Zwangsmissionierungen oder Glaubenskriege gegeben. Buddhismus ist wie Wasser: Es fließt dahin, wo es willkommen ist, gibt nach und leistet keinen Widerstand - wie man im krassen Fall des tibetischen Buddhismus erkennen kann. Trotz dieser Unaufdringlichkeit bahnte sich der Buddhismus innerhalb der nächsten zwei Jahrtausende seinen Weg durch ganz Asien bis nach Japan, wo er sich im 12. Jahrhundert ausbreitete.
Im wesentlichen haben sich zwei Schulen herausgebildet: der Theravada oder Hinayana und der Mahayana. Hinayana ist der klassische Weg des achtfachen Pfades in mönchischer Lebensweise mit viel Meditation und wird vor allem in Sri-Lanka, Thailand und Burma praktiziert. Der Kern des Mahayana ist das Ideal des Bhodisattwa, der schwört, selbst nicht eher das Rad der Wiedergeburten zu verlassen, ehe nicht alle lebenden Wesen vom Leid befreit sind. Diese Form findet man im tibetischen, chinesischen und japanischen (Zen-)Buddhismus. In Indien selbst ist der Buddhismus, der durch seine Betonung der Gleichheit aller Geschöpfe dem im indischen Charakter tief verwurzelten Kastendenken widerspricht, kaum noch präsent.

Im Westen haben sowohl der Zen-Buddhismus als auch der tibetische Buddhismus starken Niederschlag in spirituellen Kreisen gefunden. Zen ist durch Graf Dürckheim, der zehn Jahre in Japan lebte, und Pater Lasalle hier bekannt geworden. Der tibetische Buddhismus verdankt seine Verbreitung der zwangsläufigen Reisefreudigkeit tibetischer im Exil lebender Lamas und nicht zuletzt der persönlichen Ausstrahlung des Dalai Lama. Auch einige in Nepal und Tibet eingeweihte westliche Lamas, wie etwa Ole Nydahl, haben sehr zu seiner Verbreitung beigetragen.

Zen

Die Schule des Buddhismus, die im Westen in den letzten Jahren die größte Beachtung - bis hin in christliche Klöster - gefunden hat, ist der Zen. Seine spezielle Prägung hat der Zen-Buddhismus durch den Einfluß des chinesischen Taoismus erhalten. Bodhidarma war es, der den Buddhismus im
6. Jahrhundert von Indien nach China brachte, von wo er 600 Jahre später nach Japan gelangte und als Zen diese Kultur nachhaltig prägte.

Zen “lehrt jenseits jeder Dogmatik das Schmecken des göttlichen Seins im weltlichen Dasein” (Dürckheim). Dies kann bei so einfachen Dingen wie Teetrinken und Blumenstecken geschehen, woraus die Japaner bekannterweise klassische Rituale gemacht haben. Hierin wird schon ersichtlich, daß es sich nicht um eine Religion mit Dogma und Glaube, sondern um eine Geisteshaltung, eine Zen-spezifische Einstellung zum Leben handelt. Zen betont die zentrale Bedeutung der Annäherung an Erkenntnis und Erleuchtung auf dem Weg der Erfahrung, das absolute Tun im Hier und Jetzt. Dazu folgende Geschichte:
Ein Mönch bat: “Meister, ich bin noch ein Neuling im Zen. Zeig mir den Weg!” Dschau-dschou fragte ihn: “Hast du gefrühstückt?” - “Ja!” - “Dann geh und wasch die Eßschale aus!”

Die klassische Form der Zen-Praxis ist das Zazen (siehe Kapitel Meditation), d. h. sitzen wie ein Buddha, gehen wie ein Buddha, Tee trinken wie ein Buddha. Es passieren lassen. Das geht sowohl im Kloster als auch im Alltag, wobei Ersteres bezüglich der Sorgen um den Lebensunterhalt mit Sicherheit einfacher ist; in anderer Hinsicht allerdings nicht, denn hier ist Disziplin angesagt: um 4 Uhr aufstehen, Zazen, Tee, Arbeit, Zazen usw.
Zen-Meister lieben das Paradoxon: “Nichts ist unerklärlich, alles ist Geheimnis” und “Verlaufen kannst du dich nur, wenn du versuchst, wohin zu kommen”, sind typische Zen-Weisheiten. Zen-Meister sind für ihre unorthodoxen Methoden bekannt: ein schallendes Lachen, eine Ohrfeige oder ein Schweigen im richtigen Moment haben so manches Erweckungswunder bei erklärungssüchtigen Suchern bewirkt.
Hat ein Mönch seinen Meister gefunden, unterstellt er sich normalerweise bedingungslos seiner Führung, wozu auch das Knacken von Kopfnüssen, den sogenannten Koans, gehört. Diese intellektuellen Stolperaufgaben werden individuell kreiert. Sie dienen der geistigen Verwirrung des Egos, zugunsten der erwünschten, aber “unerreichbaren” Satoris (Erleuchtungsmomente), die eben nur dann passieren, wenn Sie es nicht erwarten und alles loslassen, z. B. auch die Vorstellung darüber, was Zen und Erleuchtung ist. Wenn Sie den Geist des Zen verstanden haben, dann müßten Sie jetzt das Buch zuschlagen, sich umschauen und über all den sinnvollen Schwachsinn um Sie herum einfach lachen, lachen, lachen, so wie es der kleine dicke China-Buddha tut, der vor mir steht.

David Luczyn